Beklemmung

Ich sitze in der Wohnung. Starr. Wie gelähmt. Alle Energie und Motivation, die Dinge zu tun, die ich mir für heute vorgenommen hatte, ist weit weg. Ich wünsche mir zum ersten Mal, mehr Gardinen zu besitzen, fühle mich beobachtet, traue mich kaum zu atmen.

Ein einziger Blick aus dem Fenster hat genügt, das alles auszulösen. Mein Vermieter ist da, schleicht ums Haus rum, macht irgendwas. Und ich merke – wieder Mal, ich habe wirklich Angst vor diesem Mann, fühle mich beklemmt, erdrückt, ausgeliefert. Er, der sich ohne Anmeldung rausnimmt, vorbeizukommen, Einlass in die Wohnung zu begehren. Er, der zwei Schritte näher an einen rankommt als es unter fremden Menschen üblich ist, als mein Sicherheitsbedürfnis es verlangt. Ich fühle mich bedrängt, wenn er das macht, weiche zurück, er kommt nach, hält den Abstand konstant diese zwei Schritte zu niedrig. Bei mir schrillen alle Alarmglocken, mir wird schwindlig, Erinnerungsfetzen kommen hoch, vermischen sich mit dem Brei aus breitem Dialekt, der aus seinem Mund dringt.

Ich hab mir vorgenommen, ihn nicht mehr reinzulassen, wenn ich hier alleine bin. Ihn ohne Anmeldung nicht mehr reinzulassen. Und trotzdem hab ich wahnsinnige Angst, dass mir im entscheidenden Moment, wenn er vor der Tür steht, doch wieder der Mut fehlt, ihm entschieden genug gegenüber zu treten.  Ich weiss nicht mal, was genau er an sich hat, was mich so extrem einschüchtert.

Also sitze ich hier, atemlos, zitternd, mich tot stellend und hoffend, dass es ruhig bleibt, nicht an der Tür klingelt, wartend, dass es Abend wird, die Wahrscheinlichkeit größer wird, dass er nicht mehr ums Haus schleicht.

Ich hasse es, mich meiner Angst so passiv zu unterwerfen, aber ich hab keine Ahnung, wie ich mich ihr in diesem Fall stellen soll. Weiss nicht mal, wie groß der Anteil ist, den er durch sein Verhalten tatsächlich hat und wieviel davon nur einfach alte Dämonen heraufbeschwört.
Ich mag die Wohnung, fühle mich hier (eben fast immer) wohl, hab das Gefühl am viel kürzeren Hebel zu sitzen, freundlich bleiben zu müssen, nett lächeln zu müssen anstatt deutliche Grenzen aufzuzeigen.

Wird ein Übergriff dadurch zum Übergriff, dass er als solcher gemeint ist oder genügt für ein berechtigtes "Stopp!", dass ich ihn als solchen empfinde? 

Mir ist übel…

Katja

3 Kommentare zu “Beklemmung

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