Ein Gebot der Höflichkeit?!

Als ich ein Kind war, war eine der essentiellen "Anstandsregeln", die mir von meinen Eltern und Großeltern beigebracht wurden, dass man andere Menschen nicht einfach so anstarrt. Neben viel anderem Müll, der meist damit zu tun hatte, was wohl die Nachbarn von mir dächten, den ich eingetrichtert bekam, hab ich in dieser Regel sogar den Sinn gesehen, weil ich das einfach als Gebot des höflichen Umgang miteinanders betrachte. Ich mag’s ja auch nicht, wenn man mich anstarrt, also lasse ich das auch bleiben. Und so scheint es nicht nur mir zu gehen, wenn man alleine über das Verhalten und Miteinander von Menschen in Wartezimmern von Arztpraxen nachdenkt. Zumeist in Zeitschriften vertieft, guckt mensch spätestens dann verschämt vor sich, wenn das Gegenüber den Blick hebt und zurückguckt.

Dass das scheinbar längst nicht (mehr?) normal ist, ist mir vorhin aufgegangen als ich in der Nähe des Gartenzauns mit Graben beschäftigt war. 

Vorm Zaun, kaum mehr als 5 Meter von mir entfernt, parkte ein Wagen. Eine Frau, schätzungsweise Mittdreissigerin, stieg zusammen mit ihrem kleinen Sohn aus, ging auf’s Haus zu und fing da schon an zu fluchen, dass "die" ja noch gar nicht da sei und bestimmt statt 3, halb 4 im Sinn habe. Die beiden machten kehrt, gingen zurück zum Auto und setzten sich rein. Die Fahrertür ließ sie offen, dem Sohn auf dem Beifahrersitz kehrte sie die meiste Zeit den Rücken zu und jedes Mal, wenn ich in dieser endlos lange erscheinenden halben Stunde hochgeschaut habe, starrte sie mich unverholen an und guckte nicht mal weg, wenn ich hinguckte. Grausam. Wo ich mich in der Nähe von Menschen eh gelegentlich am liebsten unsichtbar machen würde, kann ich sowas ja gerade gut leiden. 😐

Erstaunlicherweise hab ich nicht die Flucht in die Wohnung ergriffen, sondern einfach weitergegraben. 

Ein Kopfschütteln kann ich mir trotzdem nicht verkneifen. Es war herrliches Wetter und Sonnenschein und diese Frau wusste nichts besseres mit sich, ihrem Sohn und einer halben Stunde Wartezeit anzufangen als mir beim Garten umgraben zuzuschauen. Wohl dem, der es schafft, sich selber zu beschäftigen und dabei nicht dringend auf Bespaßung von aussen angewiesen ist.

Katja

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