Ein bisschen desillusioniert

Immer, wenn hier jemand mit der Suchanfrage ‘wawuschel rezept’ landet, frage ich mich, ob da vielleicht wirklich jemand nach einem meiner Rezepte sucht oder ob das vielleicht ein kleines bisschen Hannibal-Lecter-mäßig gruselig ist und dann komme ich gerade zum ersten Mal auf die Idee, das selber mal zu googeln und stelle fest – wie enttäuschend – dass es einen Kuchen gibt, der so heisst; eine kroatische Kokosschnitte.

Das verlangt jetzt eigentlich danach, dass ich den mal ausprobiere und das Rezept hier blogge. Vielleicht sucht dann ja irgendwann mal wer nach ‘wawuschels wawuschel rezept’. :mrgreen:

Katja

 

We’ll see that we need them to be who we are

Ich glaube, ich hab das schon mehrfach hier erwähnt, dass ich eine ganz furchtbare Tabsammlerin bin. In meinem Browser finden sich fast immer 2-3 Reihen offener Tabs und dass es nicht noch mehr werden, liegt nur an meiner eisernen Disziplin (*hüstel*), die mich dazu bringt, immer dann, wenn ich über die 3 Reihen rausrutsche, erst mal kräftig wegzusortieren bis höchstens noch 2 Reihen offen sind.

Dass auf dem Monitor, den ich seit ein paar Monaten hier stehen habe, statt der vorherigen 12 Tabs pro Reihe jetzt blöderweise 18 Tabs pro Reihe Platz haben, hat leider nicht zu einer Änderung meines Verhaltens geführt. Es sind jetzt einfach in Summe nur noch mehr offene Tabs.

Mit dabei sind immer so 3, 4, 5, 6 Tabs mit youtube-Videos. Manches Videos, die mir zu lang sind, um sie fix zu schauen und die darauf warten, dass ich mir die Zeit am Stück nehme, aber auch immer einige Tabs mit Musikvideos, die ich während sie offen sind, auch immer wieder höre. Manche halten sich einen Tag lang, manche mehrere Wochen oder sogar Monate.

Jene, die sich länger halten, landen fast immer auch hier im Blog. Manchmal sammle ich sie tatsächlich hier auf, damit ich den Tab endlich mal schließen kann.

Gerade wollte ich das wieder mal tun, bei einem Tab, der sich ganz links in der 2. Tabreihe befindet – was dafür spricht, dass er schon seit einer ganzen Weile offen ist und ich den Song über einen längeren Zeitraum immer wieder angehört habe.

Just als ich den gerade hier ins Blog packen wollte, fiel mir auf, dass ich bei diesem tatsächlich sogar nachschauen könnte, seit wann der Tab offen ist, denn ich weiss noch genau, zu welcher Gelegenheit ich ihn öffnete. Damals™ bloggte ich über einen anderen Song der gleichen Band, bekam in den Kommentaren ein Stichwort und landete dann bei diesem Video. Meinem Gefühl nach wäre das vielleicht vor 3, 4 Monaten gewesen. Gerade habe ich gesucht und es ist tatsächlich schon über ein Jahr her. Dieser Browsertab ist seit über einem Jahr geöffnet!1elf Seitdem läuft das Lied hier spätestens alle paar Tage, meist aber täglich, oft auch mehrfach am Tag, manchmal 2, 3 Mal direkt hintereinander und selten sogar eine Stunde lang am Stück. Uff. Möglicherweise mein Song des Jahres 2014 ohne dass ich es bisher so deutlich gemerkt hätte.

*

Die Songs von Bastille finde ich eher so äh geht so, die haben nichts, was besonders dicht an mich rankäme. Ausser, wenn die Jungs sich im Halbkreis aufstellen, die Instrumente nicht einstöpseln und akustische Versionen ihrer Lieder zum Besten geben. Das geht mir nahe, das brennt sich ein, das bleibt ein Jahr lang im Browsertab offen.

When all of your flaws and all of my flaws
Are laid out one by one
The wonderful part of the mess that we made
We pick ourselves undone

All of your flaws and all of my flaws
They lie there hand in hand
Ones we’ve inherited, ones that we learned
They pass from man to man

Ich mach den Tab jetzt mal zu!

Katja

Remember the promise you made

Vor gefühlten Urzeiten versprach ich, hier mal ein Rezept für eine “Bratensauce ohne Braten” zu bloggen, also eine Möglichkeit, wie man solche dunklen Soßen kochen kann, ohne gleich den ganzen Sonntagsbraten zubereiten zu müssen. Die schmeckt ja auch furchtbar lecker zu Klößen oder Kartoffeln oder Nudeln mit einem knackigen Salat.

Am Wochenende gab es hier Semmelknödel* mit Soße und Salat und ich habe endlich bei der Zubereitung mal auf Mengen geachtet. Dabei herausgekommen ist am Ende etwas mehr als 1 Liter Soße – natürlich viel zu viel für ein paar Semmelknödel, die hätten darin ihr Seepferdchen machen können, aber das war so geplant, denn den Rest habe ich kochendheiss in saubere kleine Gläschen und Flaschen abgefüllt und habe jetzt einen Soßenvorrat für die nächsten bratenlosen Klöße.

Man kann sie natürlich auch in Dosen einfrieren, das ist noch einfacher (beim Abfüllen in Gläser muss ja für die Haltbarkeit dringend ein Vakuum entstehen, was nicht immer zwingend hinhaut), aber weil ich nie ausreichend Tiefkühlplatz frei habe, koche ich so Dinge lieber ein.

Lasst euch von der Zutatenliste nicht erschrecken. Wenn man sowas wie die Senfsaat oder die getrockneten Steinpilze rauslässt, ist das kein großes Problem. Im Grunde braucht man ein bisschen Gemüse zum Anrösten, Wein, Brühe, Tomatenmark, ein paar Gewürze und Geduld beim Köcheln.

Für 1 – 1,2 Liter braune Soße braucht man:

3 Zwiebeln
1 große Stange Lauch
5-6 Karotten
2 Petersilienwurzeln
1 kleine Selleriewurzel (von Lauch bis Sellerie kann man auch stattdessen 2 Bund Suppengrün verwenden)
150 g (braune) Champignons
4-5 Zehen Knoblauch
3 EL Tomatenmark
8 getrocknete Tomaten
8 getrocknete Steinpilze
3 Tomaten (oder eine große Handvoll Cocktailtomaten)
2-3 Zweige Rosmarin (oder 2 EL getrockneten)
1 EL Zucker
750 ml trockener Rotwein
1,5 l Gemüsebrühe
3 Lorbeerblätter
je 1-2 TL schwarze Pfefferkörner, Koriandersaat, Senfsaat
3-4 EL Olivenöl
Salz und Pfeffer, am besten frisch gemahlen, zum Abschmecken am Ende

Und so geht’s:

Die Zwiebeln mit Schale halbieren.

Lauch, Karotten, Petersilienwurzeln, Sellerie putzen und in Stücke schneiden. Die können ruhig relativ grob sein, man muss hier nix fein würfeln.

Champignons putzen und vierteln, den Knoblauch schälen und grob zerkleinern, die Tomaten waschen und vierteln und die restlichen Zutaten zusammensuchen und bereitlegen.

Einen großen Topf (in meinen, den ich dafür nahm, passen 6-7 Liter) auf dem Herd erhitzen und die Zwiebeln mit der Schnittfläche nach unten (ohne Öl!) reinlegen und so lange rösten bis sie richtig dunkel, fast schwarz sind. Das geht relativ fix, also nicht so weit vom Herd weglaufen. Dann das Öl in den Topf geben und Sellerie, Karotten, Petersilienwurzeln, Knoblauch und Champignons dazu. Das Gemüse für etwa 10 Minuten unter Rühren anbraten. Das darf auch ruhig Farbe bekommen, die Röstaromen geben am Ende der Soße Geschmack.

Lauch (Der Lauch kommt erst an dieser Stelle dazu, weil Lauch gerne mal bitter wird, wenn man ihn zu stark anbrät.), getrocknete Tomaten, Tomaten, Steinpilze, Zucker und Tomatenmark dazugeben und immer noch unter Rühren weiterbraten. Dann mit einem Schluck Rotwein ablöschen und den Satz vom Topfboden loskochen. Wenn der Rotwein fast verdunstet ist, den letzten Schritt nochmal wiederholen. Wenn der Wein dann wieder verdunstet ist, den restlichen Wein, die Brühe und die restlichen noch fehlenden Gewürze dazugeben.

Ca. 1 Stunde ohne Topfdeckel vor sich hinköcheln lassen. Das muss nicht stark blubbern, es reicht, wenn der Herd so heiss ist, dass es durchgängig kocht. Dabei gelegentlich mal umrühren.

Die Soße durch ein großes, feines Sieb abgießen; das Gemüse dabei richtig abtropfen lassen und mit einem Löffel ein bisschen ausdrücken. Die Soße erhitzen und sollte sie noch sehr flüssig sein, ein bisschen einköcheln lassen (man kann das aber auch später machen, wenn man sie wieder erwärmt). Falls nötig mit Pfeffer und Salz abschmecken. Dann entweder heiss in kleine Schraubgläser/-flaschen mit TwistOff-Deckeln füllen, damit ein Vakuum entsteht und die Soße dadurch haltbar wird oder abkühlen lassen und in Portionen in Dosen oder im Eiswürfelbehälter einfrieren.

Es liest sich durch die vielen Zutaten ein bisschen kompliziert, aber im Grunde macht nur das Schnippeln ein bisschen Arbeit. Natürlich kann man die Menge auch einfach halbieren, aber ich koche sowas lieber in einem Rutsch und habe dann erst mal für eine Weile für alle möglichen Gelgenheiten einen Vorrat im Schrank stehen.

Katja

*Kann mich bitte mal jemand aus südlichen Gefilden aufklären, wie die Dingsis nun korrekt heissen. Meine Sauerländer-Twitter-Timeline war der – möglicherweise bei dieser Art Nahrungsmitteln nicht ganz repräsentativen – Meinung alles ohne ‘n’,

also Semmelknödel.
Oder heisst es Semmelnknödel, Semmelknödeln oder Semmelnknödeln?

going out november 2014

Im Herbst / Winter fällt es mir oft schwer, richtig Motivation zu finden, häufiger rauszugehen. Da kommt mir das going out Projekt, das Mondgras sich ausgedacht hat und schon seit langem betreibt, ziemlich entgegen. Dabei geht es darum, immer in einer vorher festgelegten Woche des Monats täglich rauszugehen und das per Foto zu dokumentieren. Im ganzen Frühling und Sommer habe ich geschwänzt, weil ich da alleine durch den Garten eh dauernd an der frischen Luft bin, aber jetzt in der dunklen Jahreszeit möchte ich wieder mitmachen. Die going out Woche im November war jetzt diese Woche und ich war wirklich jeden Tag draussen.

Montag: Auf dem Weg vom Parkplatz zum Optiker an diesen seltsamen Gestalten vorbeigekommen…

OLYMPUS DIGITAL CAMERA…und hinterher beim googeln festgestellt, dass es sich dabei um die Skulptur “Stau” von Peter Lenk handelt, der auch den Pimmel über Berlin am taz-Gebäude in Berlin geschaffen hat.

Dienstag: Endlich die Pflanzen zum Überwintern von der Terrasse ins Gewächshaus geschleppt und noch ein paar andere Dinge im Garten rumgeräumt, um dort alles winterfest zu bekommen. Dabei diesen kleinen tapferen Sommerboten entdeckt.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEr hing da übrigens nicht fest sondern spazierte über das Netz von Blatt zu Blatt ohne kleben zu bleiben.

Mittwoch: Nochmal im Garten gewesen und Zeug rumgeräumt und dabei auch Gänseblümchen geknipst. Die Blümchenfotos sind aber, weil es schon zu dunkel war, alle total unscharf. Deswegen hier die Straßenlaterne, die neben dem Garten steht.

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Donnerstag: Unterwegs gewesen zum Einkaufen und dabei einen Abstecher zum Rhein gemacht. Grau und kalt und regnerisch. Mäh.

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Freitag: Tagsüber draussen war ich nur am Briefkasten und an der Mülltonne und dergleichen. Aber am späten Nachmittag sind wir noch losgedüst zum Möbelschweden, um nicht zwischen die ganzen Irren zu geraten, die den Laden samstags verstopfen. Den Gedanken hatten allerdings leider auch ein Teil der Irren oder vielleicht waren wir auch einfach noch zu früh dran. Voll war’s auf jeden Fall auch so. Aber ich habe jetzt eine neue Winterbettdecke und eine neue Leselampe am Bett – eigentlich sogar 2.

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Samstag: Wieder beim Optiker gewesen. Dieses Mal um die neue Brille abzuholen. Endlich, denn meine andere habe ich bei dem Sturz im Urlaub geschrottet und die Gläser in der Ersatzbrille passten schon lange nicht mehr. Die kann ich dann nächste Woche auch noch mit passenden Gläsern abholen. Der neue Optiker ist direkt an der Bergstraße und da herbstelte es am Samstag in tollen Farben im strahlenden Sonnenschein.

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Sonntag: Und auch heute aufgerafft und einen Spaziergang mit Schlenker zum Postbriefkasten gemacht, so lange es hell war und nicht geregnet hat.

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Jetzt hoffe ich, dass ich auch den Dezembertermin nicht verpasse. (Svü, piepst du bitte, falls du ihn mitbekommst? :) )

Katja

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Ich bin jetzt älter als du je geworden bist und trotzdem ist da immer noch dieses Kind in mir und manchmal fühlt es sich an, als wäre ich seitdem gar nicht mehr älter geworden.

Im Laufe des letzten Jahres habe ich deinen Geburtstag und – noch dringender – deinen Todestag aus meinem Kalender gelöscht. Ich kann diese Daten doch ohnehin nie vergessen. Es wird nie ein 14. oder ein 24. November vergehen, an denen ich nicht den ganzen Tag an dich denke. Aber es ist gut, keine digital piepsenden Darauf-Aufmerksam-Macher mehr zu haben, die mich schon Tage vorher in einen Schockzustand versetzen mit ihrem “Bald ist es wieder so weit…”.

Mitten in meinem inneren Kampf um Seelenfrieden sind da immer wieder Momente, wenn die Hilflosigkeit über das ‘wie soll das nur gehen?’ am größten ist, in denen ich froh bin, dass wir beide die Gelegenheit für Frieden und Annäherung hatten. Gleichzeitig weiss ich, dass es dadurch vielleicht gerade erst so schwer ist, mich den Erinnerungen zu stellen, weil ich immer noch Angst habe, nach den wahren Kindheitsgefühlen zu suchen, die Wut endlich zuzulassen. Weil ich Angst habe, sie könnte mir diese kostbaren Erinnerungen an die zwei Jahre, die wir echt und wirklich Vater und Tochter und noch dazu gute Freunde waren, zerschlagen.

Manchmal wünschte ich, ich könnte dich einfach fragen, was ich nur machen soll. Sicher hättest du eine Lösung oder wenigstens eine Idee. Du kamst mir so alt und vor allem weise vor, damals. Und jetzt bin ich älter als du je geworden bist und fühle mich innen drin immer noch genauso klein wie zu der Zeit. Und noch eins würde ich dich so gerne fragen: Ging dir das damals genauso? Warst du nur aussen so stark?

Happy Birthday, Dad. Du fehlst mir!

Katja

Was mir am Herzen liegt – (m)eine Bitte an euch

(oder: immer wieder im November)

Meistens bin ich ein optimistischer Mensch und auf der Suche nach positiven Dingen, über die ich mich freuen kann. Ich liebe es zu fotografieren, zu reisen, in der Küche zu wurschteln oder im Garten, in einem Buch zu versinken. All das sind Dinge, die mir gut tun und von denen ich weiss, dass sie recht zuverlässig funktionieren.

“Man kann dir das gar nicht glauben, dass du Depressionen hast, wenn man dich so sieht und mit dir redet.” sagte mir eine Bekannte vor ein paar Jahren und genau das ist ein großer Anteil der Heimtücke, die Depressionen an sich haben. Man sieht es den Betroffenen oft nicht an. Niemand hinkt oder hat eine laufende Nase. Es gibt keine Beulen, Blutergüsse oder eingegipste Körperteile. Manchmal/bei manchen gibt es Schnitt- oder Kratzwunden, aber die zeigt man natürlich niemandem. Und auch die Tränen versteckt man oft. Von aussen sieht man einem depressiven Menschen die Depression erst mal nicht an und oft merkt man sie der- oder demjenigen auch nicht an, denn das Gefühl der eigenen Unfähigkeit/Unzulänglichkeit bringt einen dazu, nach aussen hin eine Maske zu tragen, sich möglichst nichts anmerken zu lassen.

Es gibt kein gesellschaftlich anerkanntes Symptom, kein äusseres Merkmal, das der Krankheit nach aussen eine Art Rechtfertigung verleiht. Man hat “nur” die Dinge, die in einem passieren und da ist die Bandbreite weit und verschieden. Mal zerreisst einen ein inneres Fegefeuer und alles in einem schreit vor Schmerz. Mal ist alles dumpf und taub und grau und man befindet sich in einem zombieartigen Zustand (zumindest stelle ich mir den so vor), völlig vom echten wachen Leben und den eigenen Gefühlen abgeschnitten. Und alles dazwischen und noch mehr und ohnehin bei jedem anders.

Was da mit einem passiert, kann man oft selber so wenig verstehen (zumindest anfangs), dass man es erst recht niemandem erklären kann und spätestens, wenn man zum zweiten Mal “jetzt reiss dich mal zusammen” oder “stell dich nicht so an” oder “du musst doch nur” oder ähnliches gehört hat, neigt man dazu, noch besser zu verbergen, wie es einem geht. Denn man weiss das ja selber nicht so genau, zweifelt an sich selber, zweifelt, ob man sich tatsächlich “nur anstellt” und sich “einfach nur zusammenreissen” müsste, damit wieder alles gut ist. Aber wie geht denn dieses Zusammenreissen?

An manchen, schlimmen Tagen ist man ja schon froh, wenn man überhaupt noch weiss, wie aufstehen und zur Toilette gehen funktioniert. An Duschen oder Essen oder weitere so unfassbare Anstrengungen ist da nicht zu denken. Manchmal erscheint selbst Atmen als Überforderung.

Und manchmal wünscht man sich, man könnte einfach aufhören zu atmen. Und zu leben.

Diese ganz schlimmen Phasen und Gedanken und der Wunsch, nicht mehr weiterleben zu müssen, sind bei mir zum Glück schon lange Geschichte. Ich habe, mittlerweile häufig genug erlebt, dass jede dieser unterschiedlich dunklen Phasen irgendwann wieder vorübergeht und ich habe, dadurch, dass ich mich genau beobachte, auch gelernt, wie ich mich selber aus dem bodenlosen Fallen wieder rausholen kann, gelernt, welche Methoden bei mir (zumindest oft) funktionieren.

Aber ich weiss auch, dass diese depressiven Phasen mich immer wieder erwischen, mir immer wieder die Beine unterm Hintern wegziehen – auch wenn ich noch so gut auf mich aufpasse und versuche, das zu vermeiden oder den Fall zumindest abzufedern.

Das ist bei mir – auch – von der Jahreszeit und der Helligkeit bzw. fehlenden Helligkeit abhängig, wie gut es mir gelingt. Speziell im November, wo zu der dauernden Dunkelheit für mich persönlich noch viele Tage mit schmerzhaften Erinnerungen dazukommen, bin ich mittlerweile besonders darauf bedacht, mir möglichst viele Aktivitäten zu suchen, die mich vom Grübeln ablenken. Und trotzdem merke ich – auch dieser Tage – wieder, wie ich mich zu kaum etwas aufraffen kann, wie alle Kleinigkeiten mir große Kraft abverlangen, was mir beides mittlerweile Warnzeichen geworden ist.

Aber gerade weil es mir mittlerweile (an Jahren gemessen) so viel besser geht, ist es mir – speziell zu dieser Jahreszeit, wo durch fehlendes Licht und durch die anstehende Weihnachtszeit, in der sich Einsamkeit für viele besonders gemein anfühlt – ein Anliegen, wieder einmal die “Werbetrommel” zu rühren*, für mehr Aufmerksamkeit und Verständnis für diese hundsgemeine Krankheit Depression und die an ihr erkrankten Menschen.

Bitte passt ein bisschen aufeinander auf. Fragt die Menschen in eurem Umfeld wieder einmal, wie es ihnen geht. Gerade jene, die sich vielleicht ein bisschen zurückgezogen haben. Und seid zugewandt und hakt nach, falls ihr ein ‘muss ja’ oder dergleichen zu hören bekommt.

Bitte tut Depressionen nicht als “sich anstellen” ab und sagt nicht über andere / zu anderen, sie sollten “sich zusammenreissen”. Depressionen sind eine ernste Erkrankung, deren Heilung nicht durch ausreichendes “Wollen” zu bewältigen ist.

Bitte sprecht nicht abwertend über die Erkrankung und über die Erkrankten
(auch nicht, wenn sie nicht dabei sind)
(auch nicht, wenn ihr genervt seid, dass mehr Arbeit an euch hängen bleibt, weil die Kollegin “Burn out” hat – ihr meckert (vermutlich) auch nicht über den blöden Meier, der sich jetzt ausgerechnet den Fuß gebrochen hat, wo Urlaubszeit ist und ihr unterbesetzt seid).

Bitte helft so mit euren Worten und eurem Verhalten dazu beizutragen, dass das Tabu, das dem Thema Depressionen anhaftet, in eurem Umfeld ein bisschen kleiner wird. Je “normaler” der Umgang mit der Krankheit wird, desto einfacher wird es auch für Betroffene, sich zeitnah Hilfe zu holen.

Bitte passt vor allem auf euch selber gut auf!

Wenn ihr betroffen seid und in einer akuten Krise: Bitte holt euch Hilfe!

Wenn Sie sich in einer akuten Krise befinden, wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt oder Psychotherapeuten, die Ambulanz der nächstgelegenen Psychiatrischen Klinik oder die Telefonseelsorge (in Deutschland 0800 111 0 111 / 0800 111 0 222; in Österreich 142; in der Schweiz 143). Wenn diese nicht erreichbar sind, rufen Sie den Notarzt (in Deutschland 112, in Österreich und der Schweiz 144).

(Quelle: http://www.deutsche-depressionshilfe.de/ – Dort gibt es auch viele Informationen.)

*Dieser Teil fällt mir am schwersten, denn ich kann nicht gut um Aufmerksamkeit bitten, wo sie mir nicht von selber geschenkt wird. In diesem Fall tue ich es trotzdem (wieder einmal), denn es geht mir nicht um Aufmerksamkeit für mich, sondern um jene für das Thema und ich hoffe, ihr nehmt es mir nicht krumm, wenn ich euch dafür einmal im Jahr auf die Pelle rücke und euch nachdrücklich bitte, den Link bzw. den Artikel zu teilen und zu verbreiten.

Ich wünsche mir sehr, dass es irgendwann genauso normal sein kann, über Depressionen zu reden, wie über eine Grippe!

Danke für’s Lesen, für die Aufmerksamkeit. Danke für’s Weitersagen!

Katja