Little Confessions #27

Ich bin ein sehr pünktlicher Mensch. Wenn ich verabredet bin oder einen Termin habe, verlasse ich das Haus so zeitig, dass ich selbst bei irgendwelchen Katastrophen unterwegs noch pünktlich ankommen kann. In den 3,5 Jahren Kollegzeit, in denen ich jeden Morgen 60 km Anfahrtsweg hatte, war ich grundsätzlich die erste die da war und morgens die Kaffeemaschine angeworfen hat, obwohl ich von allen den weitesten Weg hatte.

Immer pünktlich sein zu müssen nervt mich oft selber, weil ich das tatsächlich mit einer gewissen Verbissenheit angehe und sich mein Magen sofort zusammenkrampft, wenn auch nur die Möglichkeit besteht, ich könnte mich doch mal verspäten.

Vermutlich rührt diese Macke daher, dass mein Vater mich oft in meiner Kindheit, mit der Uhr hinter der Haustür stehend, erwartet hat und es selbst bei geringer Verspätung heftigen Ärger gab.

Ich hatte mal eine Phase, in der ich mir das bewusst abgewöhnen wollte und in der ich mich gezwungen habe, absichtlich immer ein paar Minuten zu spät zu Verabredungen zu erscheinen, aber das ging mir so sehr gegen die Natur, dass ich beschlossen habe, einfach hinzunehmen, dass ich so pünktlich bin/sein muss. Im Grunde ist ja auch nichts Schlimmes daran, pünktlich zu sein.

Es stört mich übrigens gar nicht, wenn sich andere verspäten, so lange das im Rahmen bleibt (und so lange es nicht dazu führt, dass ich irgendwo zu spät hinkomme). Lediglich von der Unpünktlichkeit meiner Schwester bin ich ziemlich genervt, was aber daran liegt, dass die selten unter 1,5 Stunden bleibt. Erstaunlich, wie die gleiche Erziehung in unserem Erwachsenenleben so unterschiedliche Folgen hat. :D

Katja

(Hier finden sich übrigens alle früheren Geständnisse / Macken.)

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5 thoughts on “Little Confessions #27

  1. Pünktlich zu einem Termin, einer Verabredung oder sonstwas zu erscheinen ist für mich genauso selbstverständlich wie das Erledigen irgendwelcher Dinge, die ich anderen zu einem Termin zugesagt habe. Für mich ist es eine Form von Wertschätzung und Respekt anderen Menschen gegenüber.

    Und wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht wirklich, was sooo schwer daran ist, sich an Abmachungen zu halten. Gut, es gibt Ausnahmen, dann geht es einfach nicht, weil das Auto kaputt geht, oder was weiß der Himmel passiert – doch im Normalfall muss Unpünktlichkeit nicht wirklich sein.

    EIne Zeit lang hatte ich das Gefühl, dass Unpünktlichkeit “zum guten Ton gehörte”. Jeder war ja ach so wichtig und konnte unmöglich pünktlich zu einer Verabredung erscheinen… weil es musste ja schließlich noch ganz dringend dieses und jendes… und überhaupt… und immer so ein bisschen abgehetzt…

    In diesem SInne: es ist bestimmt nicht schlimm, pünktlich zu sein! :mrgreen:

  2. Liebe Katja,

    das mit den Geschwistern… Vielleicht gehört es zum System, dass Geschwister manchmal sehr konträre Wege ausprobieren, etwas anzugehen oder mit etwas umzugehen und manchmal überhaupt sehr verschieden sind. Daraus ergibt sich unterm Strich, wenn man sich dafür öffnen kann, ein Erkenntnisgewinn, eine Erweiterung der Sicht, leider manchmal auch gegenseitige Ablehnung oder Wettbewerb.

    Ich hatte in meinen frühen Jahren häufiger Probleme mit Pünktlichkeit und wusste nicht warum. Es wollte einfach nicht klappen. In letzter Minute fiel mir immer noch so viel ein, was unbedingt sein müsste. Ich war sehr unsicher und wollte alles perfekt haben, noch hier etwas kämmen und dort noch an der Kleidung was zupfen usw. Ich machte so lange rum, bis es fast zu spät wurde und rutschte dann Punkt rein oder verspätete mich ein paar Minuten. Die Vorstellung, zu früh da zu sein und warten zu müssen, derweil mit mir nicht zu wissen wohin, marterte mich bereits im Vorfeld. Mich selbst stresste es und es machte sicher auch keinen guten Eindruck, aber ich konnte es nicht ändern.

    Irgendwann im Lauf der Jahre änderte sich das. Ich hatte nicht mehr so viel Angst vor Terminen, ging gelassener damit um und siehe da, konnte pünktlich sein.

    Sehr unpünktliche Leute nerven mich auch und ich denke, wenn jemandem etwas wichtig ist, dann klappt es auch mit der Uhrzeit, jedenfalls bis auf eine Viertel Stunde oder 10 Min. genau, größer ist meine Toleranz auch kaum.

    Schlaf schön.
    Marion

  3. Viele der Eigenheiten in Deinen Confessions teilen wir. Ich kann es auch nicht ausstehen unpünktlich zu sein und bin lieber schon eine halbe Stunde vorher da als 2 MInuten zu spät. Allerdings stört mich Unpünktlichkeit auch bei anderen, das empfinde ich als unhöflich.

  4. @Rabea: Ich glaube, ich habe das doof ausgedrückt. Ich finde es ganz und gar nicht schlimm, pünktlich zu sein. Was mich (immer mal wieder) bei mir daran stört, ist die Verbissenheit und dieses Weltuntergangsgefühl beim Gedanken, mich zu verspäten. :)

    @Marion: Das ist ja spannend! Bei mir wirkt die Angst vor Terminen genau gegenteilig wie es bei dir war. Ich war/bin dann erst recht überüberpünktlich und hätschele meine Nervosität dann beim Warten.
    Warten ist übrigens etwas, was sich selbst nach über 3,5 Jahren nach dem Aufhören, immer noch manchmal seltsam anfühlt ohne Zigarette. :roll:

    @Silencer: Solche Ausmaße (lieber die halbe Stunde eher…) hat das bei mir auch.
    Ich glaube, ich bin der Unpünktlichkeit anderer gegenüber so tolerant, um diese Verbissenheit auszugleichen, die ich bei meiner eigenen Pünktlichkeit innehabe. :D

  5. Pingback: Little Confessions #28 « Gedankensprünge

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