You gotto keep the devil

…way down in the hole.

Diesen Song habe ich in den letzten Wochen genau 60 Mal in mehreren unterschiedlichen Versionen gehört. Dabei handelt es sich nämlich um den Titelsong der großartigen Serie “The Wire“, die sehr anders ist als alle Serien, die ich bisher gesehen habe.

Es geht um Drogenhandel und -sucht, Kriminalität, Polizeiarbeit, Politik, Korruption, undundund in Baltimore und es hat in der ersten Staffel ein paar Episoden lang gedauert bis ich mich an die Art des Erzählens gewöhnt hatte. Und gerade, als ich versuche, das in griffige Worte zu packen, merke ich, wie besonders die Serie für mich war – jede Beschreibung, die ich hier gerade getippt hatte, musste ich wieder löschen, weil sie sich falsch oder zumindest unvollständig anfühlt und nicht so, als könne ich der Serie irgendwie gerecht werden.

Die Geschichte – denn eigentlich ist es nur eine einzige, die all diese vielen Aspekte enthält, auch wenn die Hauptfälle, an denen die Polizei arbeitet, im Laufe der Staffeln gelegentlich variieren – ist so dicht gewoben, die Charaktere werden so vielschichtig dargestellt, die Polizeiarbeit ist oft so frustrierend unbeschönigt und dadurch vermutlich so verdammt realistisch dargestellt. Es gibt keine glatten Charaktere, es gibt nicht die eindeutig Guten und die eindeutig Bösen, das alles fühlt sich so nah am echten Leben und nicht an einer Fernsehserie an (sieht man mal von der deutlich abstruseren 5. Staffel ab, da driftet es etwas ins Unglaubwürdige), dass es mir oft den Atem geraubt hat bei dem Gedanken, dass es tatsächlich an diesen Ecken in Baltimore so hart zugehen könnte, dass die Polizeiarbeit vermutlich tatsächlich so sehr darunter leidet, dass die Posten politisch vergeben werden. Das alles fühlt sich so krass an, gerade weil es diese Eindeutigkeit zwischen Gut und Böse nicht gibt und gerade weil jene, die die Drähte ziehen, am Ende nicht hinter Gittern landen, sondern nur die Bauern geopfert werden.

The Wire kann man nicht nebenbei gucken und vermutlich auch nicht mit langen Pausen zwischen den einzelnen Episoden. Wir haben in den letzten Wochen ganz selten mal zu einem Film gegriffen, sondern tatsächlich meistens die Serie weitergeguckt, weil man so tief eintaucht, weil sich das alles nach einer einzigen, ganz langen Geschichte anfühlt.

Unbedingter Tipp für alle, die einen Grad an Komplexität bei Geschichten, wie man ihn eigentlich nur aus dicken Büchern kennt, schätzen!

Katja

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10 Gedanken zu “You gotto keep the devil

  1. Volle Zustimmung. Selbst wenn einem nicht alle Figuren ans Herz wachsen, man will doch irgendwie wissen, wie es ihnen geht – allein das halte ich schon für eine erzählerische Leistung. Leider haben wir nach der dritten Episode erst mal aufgegeben, weil man (oder jedenfalls ich^^) nicht 8 Stunden büffeln kann und sich dann abends damit “erholen”…

  2. @Svü: Wir haben’s auf Deutsch gesehen. Auf Englisch wäre mir das auch zu anstrengend gewesen. :)

    @Joan: Ja, das ist keine leichte Kost zum Ausspannen. Kann ich verstehen, dass das nach 8 Stunden lernen zu viel ist.
    Was du in deinem zweiten Satz schreibst (‘Selbst wenn einem….’) habe ich genauso empfunden, aber mir war das gar nicht so bewusst bevor ich deinen Kommentar gelesen habe. Das sind alles keine echten Identifikationsfiguren, mit denen man sofort warm wird, aber sie sind trotzdem sehr interessant und kommen einem nahe.
    Dass ich da wirklich jemanden sympathisch fand und meine ‘Helden’ gefunden habe, dauerte sehr lange und ging auch eher schleichend mit besserem Kennenlernen. Lester Freamon war der erste, den ich überhaupt toll fand ohne ihn in der nächsten Szene schon wieder erwürgen zu können. Insgesamt über die 65 Staffeln ist mir wohl Bubbles Schicksal am nähesten gegangen.

    Wenn du irgendwann die Ruhe und Energie dafür hast: Es lohnt sich sehr das weiterzuschauen. :)

  3. @hühnschn: Ach cool. Ich bin gespannt, wie’s euch gefällt! :)
    Wir sehen ja quasi nie fern, schon alleine deswegen, weil wir noch keine Lösung dafür haben, das Fernsehprogramm über den Beamer auf die Leinwand zu bekommen.

    @Sherry: Gerne! Aber lass dich nicht davon runterziehen, ja? :)

  4. Nach der Beschreibung dachte ich, das könnte was für mich sein. Das wurde ja auch anderweitig schon ziemlich hochgejubelt. Darum hab ich mir gleich mal die allererste Folge rausgesucht. War aber nicht so mein Ding.
    Vielleicht müsste ich der Serie mehr Zeit geben, aber schon so zur Mitte der Folge hatte ich schon wieder den Läpper auf den Knien und hab nebenbei Bildchen gemalt.

    • Das ist natürlich persönlicher Geschmack und auch die Frage, wieviel Zeit man der Serie geben möchte. :)
      Bis wir wirklich ‘drin’ waren, das hat schon deutlich über eine halbe Staffel gedauert. Bei mir auch deswegen, weil ich anfangs keinen einzigen der Charaktere mochte.

  5. The Wire ist eine der ebsten Serien ever, genau auf Grund der Komplexität und der Nicht-Friede-Freude-Eierkuchen-Mentalität … sie zeigt einfach das Leben, nicht mehr und nicht weniger, auch wenn es keine typischen mitteleuropäischen Verhältnisse sind … :)

    • Über letzteres bin ich auch wirklich froh. Ich bin auf dem Dorf ja in dieser Hinsicht sehr behütet aufgewachsen, ich hätte manchmal bei der Serie heulen können, beim Gedanken, dass diese Verhältnisse für viele Kinder vermutlich wirklich realistisch sind. :(

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