In echt.

Irgendwann mit 13, 14, 15 habe ich zum ersten Mal bewusst Van Gogh als Maler wahrgenommen, die ersten seiner Bilder (so dass ich wusste, dass es seine sind) gesehen und habe mich direkt in die leuchtenden Sonnenblumen verliebt.

Wenn man sich heute in einen Maler verliebt, ist es ein leichtes den Namen in Google zu tippen und man hat, natürlich den entsprechenden Bekanntheitsgrad des Malers vorausgesetzt, direkt Zugriff auf jede Menge seiner Werke. Wenn man sich Anfang/Mitte der 80 in einem kleinen Nest im Vogelsberg in einen Maler verliebte, dann konnte man nur darauf hoffen, in den nächsten Monaten mal wieder in eine größere Stadt zu kommen, die über eine ausreichend gut sortierte Buchhandlung verfügt, dass man sich weitere Werke anschauen kann und/oder wo man sich am besten, einen Kalender des entsprechenden Künstlers kaufen konnte, um für einen möglichst erschwinglichen Preis an ein Dutzend der Bilder zu kommen, die man dann ausgiebiger betrachten und/oder sogar rahmen und aufhängen konnte.

Irgendwann in dieser Zeit sah ich zum ersten Mal die Caféterasse am Abend, von der ich bis vor einiger Zeit fälschlicherweise annahm, das Bild sei das Nachtcafé, weil ich es mir in den 80ern mit diesem falschen Titel eingeprägt hatte. Wenn man allerdings die Treffer der Bildersuche bei google anschaut, merkt man, dass ich nicht die einzige mit dieser Titelschwäche bin.

Und seit ich dieses Bild zum ersten Mal bewusst wahrgenommen hatte, war es mein absolutes Lieblingsbild. Der Kontrast aus Hell und Dunkel, Gelb und Blau. Die kühle Nacht, das heimelig einladende Licht das Cafés – das rührte etwas in mir an und berührt mich immer noch jedes Mal, wenn ich das Bild betrachte. Vor vielen Jahren bekam ich einen gerahmten Druck davon geschenkt, der in unserem Wohnzimmer an der Wand hängt.

Vor 15 Jahren war ich schon einmal über meinen Geburtstag in Holland, damals auf einem Segeltripp auf dem Ijsselmeer. Genau an meinem Geburtstag legten wir im Hafen von Amsterdam an und für mich war ganz klar, dass ich jetzt unbedingt einige dieser Bilder, die mich schon so lange faszinieren live sehen wollte. Und eine Grachtenfahrt wollte ich machen.
Die Mädels, mit denen ich damals immer zusammen hing, wollten allerdings allesamt zum Shopping in die diversen Boutiquen. Für Shopping konnte ich mich (mal von Buchläden abgesehen) noch nie begeistern, aber irgendwie wollte ich damals auch nicht alleine losziehen, gerade an meinem Geburtstag nicht. Heutzutage würde ich das vermutlich einfach machen, damals bin ich also den anderen mit zusammengebissenen Zähnen hinterhergetrottet und es fühlte sich nach einem eher sehr bescheidenen Geburtstag an und an dem Tag wünschte ich mich sehr nach Hause.

Als wir jetzt vor einiger Zeit Ausschau nach Hotels hielten, von denen aus wir in bequemer Distanz zum Wasser wären, blieben wir relativ schnell an dem Hotel in Almere in Holland hingen, in dem wir jetzt auch waren. Das war nicht weit zur Nordsee, nicht weit nach Amsterdam und auch das Ijsselmeer (bzw. das Markermeer, von dem ich aber immer dachte, es sei ein Teil des Ijsselmeeres) war auch direkt vor der Tür.

Und natürlich lag es wieder auf der Hand, dass ich exakt 15 Jahre später jetzt-aber-wirklich gerne ins Van Gogh Museum gehen wollte. Genau so lange, bis ich mich mal näher informiert hatte und feststellte, dass die Caféterasse am Abend auch in Holland zu sehen ist – im Kröller-Müller-Museum, das praktischerweise fast genau auf unserem Weg von Zuhause ins Hotel lag.

Freitag Mittag gegen 12 waren wir da und ich hatte ein ganz flaues Gefühl im Magen. Schon der erste Van Gogh (insgesamt hängen dort fast 90, was nach dem Van Gogh Museum in Amsterdam die zweitgrößte Sammlung seiner Werke darstellt) vor dem ich stand, machte mir Gänsehaut und als ich dann irgendwann vor meinem Lieblingsbild stand, liefen mir die Tränen über’s Gesicht. Das traf mich völlig unvorbereitet, ich hätte nicht gedacht, dass mich ein Bild so sehr berühren könnte. Aber dieses Gefühl – ein Bild, dessen Farben und deren Anordnung ich so gut kenne – dann so aus der Nähe betrachten und fast berühren zu können, hat mich total  umgehauen. Die Tiefe, die teilweise wahnsinnig dick aufgetragende Farbe, die Pinselstriche – all diese Dinge, die kein Druck und kein Bild im Internet tatsächlich zeigen können… Dieses Bild, wahrscheinlich viele Millionen Mal irgendwo abgebildet und ich stand vor dem einzig echten Originalen, jenem, das Vincent Van Gogh 1888 in Arles gemalt hat. C’est magnifique!

Noch ein paar Van Gogh:

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Da hängen übrigens auch unter anderem Bilder von Picasso, Monet, Cezanne, Mondrian, Manet, Renoir, Gauguin – um nur mal einige der sehr berühmten zu nennen. Die konnten mich allerdings längst nicht so faszinieren. Und um das Museum gibt es einen umfangreichen Skulpturenpark.

Und es ist nicht mal besonders weit und lohnt sicherlich auch einen Tagesausflug – vom grenznahen Arnhem sind’s gerade mal noch 20 km bis Otterlo, wo das Kröller-Müller-Museum mitten im Hoge Veluwe Nationalpark liegt. Man muss übrigens auch Eintritt für den Nationalpark zahlen, wenn man nur ins Museum möchte – beides zusammen für 2 Erwachsene + Auto mit in den Park nehmen kostet knapp 40 €. Das ist jetzt kein echtes Schnäppchen, besonders im Vergleich dazu, dass Frau Kröller-Müller seinerzeit für den ersten Van Gogh, den sie kaufte und den man dort als Teil der Sammlung immer noch sehen kann, 14 Gulden bezahlt hat.

Trotzdem: Lohnend! Sehr! (Und die Grachtenfahrt habe ich auch gemacht – dazu aber vermutlich später mehr.)

Katja

7 Gedanken zu “In echt.

  1. Vor Ewigkeiten war auch ich einmal in Amsterdam… und ich kann mich noch genau an die schnuckeligen Häuser erinnern. Die fand und finde ich noch immer total schön. Und natürlich die Grachten :D Na gut, ich bin nicht so ein Kunstliebhaber insbes. der Meister der “alten Schule” und würde daher eher weniger ein solches Museum besuchen… aber für den Rest lohnt sich ein Tripp auf jeden Fall. Ach ja, und Fahrräder hatten die gefühlte 1000 an jeder Ecke :)

    Schön, dass es Dir gefallen hat :D

    • Ich hätt’s jetzt eher auf gefühlte 10.000 an jeder Ecke erhöht. :D Es gibt ja sogar ganze Parkhäuser dafür.

      Ich konnte mit vielen der Gemälde (und noch viel mehr der Skulpturen im Skulpturengarten) auch nicht so viel anfangen. Bei Kunst kann ich auch selten benennen, was mir da gefällt und was nicht, das ist nicht rational, kommt nur aus dem Bauch.

    • Von dir aus ist es ja leider etwas weiter, aber solltest du mal nach Holland oder zumindest in den Westen Deutschlands kommen, lohnt sich der Abstecher sicher. :)

  2. Pingback: Gut 48 Stunden Holland, in kurz und/oder lang und/oder Bild « Gedankensprünge

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