Hafen

ickemich (Blog / Twitter) war so freundlich, direkt zwei Gastartikel für mein Blog zu schreiben und dieses hier ist der zweite. Ich hoffe, ihr habt genauso viel Freude beim Lesen wie ich hatte! Vielen Dank ickemich, das sind wunderschöne Assoziationen! :)

Katja

(Was es mit den Gastartikeln auf sich hat, könnt ihr hier erfahren. Die Rechte am Text und den Fotos liegen natürlich alleine bei ickemich, der so freundlich war, mich das hier veröfftlichen zu lassen.)

 

***********

Einen eventuellen zweiten Gastbeitrag für diese Seite hatte ich ja leichtsinnigerweise ebenfalls mit der Gegenbitte verbunden, eine kurze Themenvorgabe zu bekommen. Damals, Anfang September.
Ja, ich hätte wohl auch ohne Vorgabe das eine oder andere zu berichten, aber es nun mal nicht meine Seite. Und die Gedankensprünge hier sollte doch Katja bitte selbst etwas steuern, dachte ich mir so. Also bekam ich eine sehr freundliche zweite Vorgabe. Nur, falls mir die erste so gar nicht zusagt. Der Schwank aus der Jugend. War ja vor Kurzem erst hier zu lesen.
Ein Lieblingsort sollte es diesmal sein. Und ich darf ihn beschreiben. Klar, eigentlich toll. Eigentlich!

Es dauerte dann doch einige Nanosekunden, bis mir so halbwegs bewusst wurde, dass es den Lieblingsort in meinem Leben irgendwie gar nicht gibt. Aber jeder hat doch so einen Lieblingsort, wird nun der eine oder die andere einwenden wollen. Der Ort, wohin man sich zurückzieht, der Ort wo man sich wohlfühlt. Dort, wo man Quatsch machen kann, oder die Seele baumeln lässt, oder beides gleichzeitig. Wo es einfach ist.
Wo man einfach ist.

 

Sollte ich so etwas wirklich nicht haben? Klar sitze ich gerne mal auf der Terrasse herum, oder liege auf der Couch. Schöne Wald- und Seenplätze kenne ich auch, aber so richtige Rückzugsorte sind das für mich nicht. Oder doch? Aber welcher ist davon der Liebling?
Der Lieblingshafen im Sturm des Lebens?
Eine Art Hafen, ja. So ein Lieblingsort sollte sicher so eine Art Hafen sein. Ein sicherer Hafen an einer mit unruhigen Wettern gesegneten Küste. Dort wo die ungünstigen Winde nicht so schnell hinkommen. Die Brandung an der Mole und den Buhnen zerschellt. Der Schutzort für sich selbst. Das ruhige Wasser. Ein Schutzort für die Vertrauten und die Vertrautheiten. Aber, wo war das für mich so? Gab es da einen bestimmten Ort? Unwahrscheinlich. Wäre mir doch schon längst mal aufgefallen. Wahrscheinlich.
Eine unserer Inseln vielleicht. Sind zwar ein bisschen groß für einen ganz bestimmten Ort, aber sind ja immerhin schon mal ein Ort. Und ein Stück weit weg auch. Blieb also schwierig.

 

IMG_1152Und dann holte ich die Tochter von der Borkumfähre ab, auch Anfang September. Am siebten September, um genau zu sein. Und natürlich war ich zu früh dort.  Konnte es ja kaum erwarten, sie wieder zu sehen. Beim Warten an der Pier dort in Emden wusste ich dann plötzlich, was mein Lieblingsort, was mein Hafen ist. Es sind die Kaimauern und Bootsstege. Der Geruch nach Teer und Fisch. Diese frische Brise mit der leichten Schiffsdieselnote über dem Brackwasser. Die Rufe der Möwen.
Es ist wohl der Hafen selbst. Der Hafen, wenn er denn mit Wasser zu tun hat. Flughäfen nicht, die sind mir zu hektisch. Hektische Durchgangsorte ohne Wasser zumeist. Aber bei den anderen ist es egal wo, nur Wasser muss da drin sein. Im Hafen.

Hier an den Kaimauern fließt das Leben in seinem eigenen Rhythmus. Eile und Lärm kommen wohl mal auf, wenn gerade einer der eingelaufenen großen Pötte gelöscht wird. Also, “wenn eins der im Hafen angekommenen großen Schiffe entladen wird” für die nicht so nautikaffinen unter euch. Aber auch dieser Lärm, dieses Regen hat dann seinen eigenen für mich sehr angenehmen Beat.
Eilig, ja. Hektisch, nur manchmal. Ganz kurz nur, vielleicht.

 

So im Hafen herumzusitzen und das Treiben dort zu beäugen, oder auch einfach nur auf das Brackwasser im Hafenbecken zu starren, macht mir den Kopf frei. Die frische Brise auch. In Gedanken verabschiedet man die auslaufenden Boote und Schiffe und gibt ihnen vielleicht auch gedanklich ein paar Dinge mit, die man gerade nicht so gebrauchen kann. Die Skipper nehmen das auch nicht mal übel. Kriegen das ja nicht mit.
Die einlaufenden Schiffe und Boote begrüßt man innerlich und freut sich, dass sie den Hafen ja nun erreicht haben.
Dieses unbestimmte Wohlgefühl, diese Zufriedenheit stellt sich dann bei mir ein.

 

Natürlich dachte ich nun noch einige Minuten länger darüber nach. Ich dachte zurück. Dachte an früher. Wenn wir nach Rostock fuhren, um meinen Vater abzuholen. Vom Hafen dort. Kam ja nicht so oft vor, dass er mit seinem Trawler dort einlief, als Hochseefischer. Aber alle drei, vier Monate schon. War immer aufregend für mich, klar. Und dort war er, dieser Geruch. Immer.
Die Bootstouren mit Opa über die Havelseen und den Rhin. Ablegen am Steg, im Hafen. Und später dann wieder woanders anlegen. Einlaufen also. Das waren die richtig spannenden Momente. Na gut, die Schleusendurchfahrten waren das auch. Spannend. War ja auch jedes mal so ein bisschen anlegen und ablegen, einlaufen und auslaufen. Und auch der Geruch war dort. Etwas weniger nach Fisch, mehr nach Teer und Diesel. Aber unverkennbar, auch ohne Brackwasser. Es war und ist mein Sommergeruch.

Meine Kindheit, nahe der Elbe und ihren Binnenschiffern trug, neben den Erzählungen meines Decksmannvaters, sicher auch zu meinem Hafenfaible bei. Die Skipper der Schubverbände grüßten immer zurück, wenn wir vom Elbufer aus winkten. Immer! Manchmal sogar mit Nebelhorn. Ich erinnere auch, dass ich einmal dabei geholfen habe, einen von diesen langen Frachtkähnen loszumachen. Im Hafen von Tangermünde. Beim Ablegen, vor dem Auslaufen. Den recht schweren Tampen habe ich sogar an Bord geworfen bekommen.

Und auch später begleitete mich die Häfen. Also, die am Wasser. Ständig. Der Greifswalder Bodden mit seinen Häfen. Stralsund, Vierow und natürlich Greifswald selbst, in Wieck. Da waren die Binnenhäfen in Berlin an Havel und Spree, Wittenberge an der Elbe oder in Koblenz am Rhein. Es ist sicherlich nicht sehr viel Schönes in und um Duisburg. Aber der Hafen, der ist da. In meinen Augen sogar ein wenig schön. Dann Hamburg, natürlich Hamburg. In dem halben Jahr dort war ich gefühlte neun Monate am Hafen. Mindestens!
Und nun Ostfriesland, schon recht lange meine Heimat, mein Hafen.
Leer, Norddeich, die Emsdörfer mit ihren Marinas und Fähranlegern. Dann Greetsiel, Bensersiel, Neßmersiel, Dornumersiel und all die anderen „-siels“ entlang der Küste. Alle ihren eigenen Hafen, diese Siels. Ihre jeweils eigentümlichen Häfen und Anleger um genau zu sein. Bietet sich ja auch an, hinter so einem Siel.
Und natürlich Emden, die Seehafenstadt. Mit dem Seehafen, logisch. Größer als die Häfen hinter den Sielen, auch logisch.
Die Nichtauskenner dürfen „Siel“ jetzt auch gerne googeln. Es bleibt aber ein Deichdurchbruch. Wiederverschließbar natürlich.

Überall aber platscht das Wasser gegen Kaimauern oder Planken der Stege. Gleichmäßig, im eigenen Rhythmus und die Zeit passt sich ihm an. Diesem Klang. Weil es dort eben nicht anders geht. Weil es dort immer etwas aufbrist, und nach Teer riecht, und nach Fisch und Schiffsdiesel. Und die Möwen dort schreien.
Ja, das ist mein Lieblingsort.

 

IMG_1163

Ich will nicht behaupten, dass ich nun durch diesen Gastbeitrag meinen Lieblingsort gefunden hätte. Gefunden hatte ich ihn sicher schon längst, deswegen war er wohl auch immer irgendwie da.
Aber er ist mir bewusster geworden. Der Hafen mit seinen Geräuschen und seinem Geruch, seinem eigenen Takt. Egal wo.
Dafür, bedanke ich mich bei der Themenvorgeberin.
Und auch dafür, dass ich dies alles hier in epischer Breite schildern durfte, bedanke ich mich ganz öffentlich recht herzlich.
Und bei euch, die ihr so tapfer bis zum Schluss durchgehalten habt, natürlich auch. ;)

Urlaubsvertretung Prof. Dr. Dr. Carter #4

Oh wie schön! Da fährt man in den Urlaub und bekommt eine Ansichtskarte ins Blog gestellt! Vielen Dank an Rabea und vor allem ihren tollen Kater Prof. Dr. Dr. Cat. Kai Carter, der hier für so ausgezeichnete Urlaubsvertretung sorgt!

Hier geht es zu Rabeas Blog.

Katja

(Was es mit den Gastartikeln auf sich hat, könnt ihr hier nachlesen. Alle Rechte an Text und Bild(ern) liegen natürlich ausschließlich bei Rabea und Prof. Dr. Dr. Carter, die sie mich hier freundlicherweise veröffentlichen lassen.)

**********

Hi,

jaja, ich bin´s Prof. Dr. Carter. Genau! Frau Rabenhaus… Auch heute hat sie es mal wieder nicht auf die Reihe bekommen, mal kurz auf´n Sprung hier vorbeizukommen. So bin ich wieder losgetigert. Mittlerweile ist es schon fast liebgewonnene Gewohnheit geworden, hier bei Katja herumzuschleichen. Frau Rabenhaus hat gesagt, wenn ich brav hier vorbeikomme, dann schickt mir Katja vielleicht eine Karte aus dem Süden. Und deswegen bin ich auch gekommen. Ich habe nämlich noch nie eine Karte aus dem Süden bekommen. Ich weiß nicht einmal, wo das überhaupt ist und wie lange ich wohl dahin brauchen würde. Bis zu Katja ist es ja nicht so weit. Frau Rabenhaus sagt, bis in den Süden brauche ich wohl viele, viele Wochen. Nun, dann wundert es mich natürlich nicht, dass Katja so lange weg ist, wenn doch der Süden so weit entfernt ist. Und ich hab Katja auch eine Karte mitgebracht. Eine aus Bremen, damit sie sich auch über eine Karte freuen kann, wenn sie wieder Daheim ist. Bremer Ansichtskarte

Auf der Karte sieht man den Bremer Dom und davor das Parkhotel und davor eine Wiese und darauf Schwarzbunte und ganz vorne ist eine alte Bank und hinter mir die Meierei und die liegt im Bürgerpark und dort kann man ganz lecker essen… sagt Frau Rabenhaus und die muss es ja wissen, weil die ja schon dort gegessen hat. So, nun darf ich nicht vergessen, Hallo zu sagen: “Hallo!” Gut, das war´s dann für heute. Ich geht dann mal wieder…

Göttinger Blau

Im Folgenden lest ihr einen Gastbeitrag von Silencer137 und ich freue mich sehr, dass ich den Artikel hier veröffentlichen darf. Vielen lieben Dank dafür, Silencer! Ich hoffe, ihr habt beim Lesen ebensolchen Spaß wie ich.

Silencers Blog findet ihr hier und hier kann man ihm auf Twitter folgen. :)
(Was es mit den Gastartikeln auf sich hat, könnt ihr hier nachlesen. Die Rechte an Text und Bildern liegen selbstverständlich bei Silencer.)

Katja

**********

 

IMG_4474header

Hallo, dies ist ein Gastbeitrag aus Göttingen. Göttingen ist eine nette Stadt. Nett im Sinne von “nicht komplett doof”, was angesichts der Tatsache, dass ein Fünftel der 125.000 Einwohner Studierende sind, nicht selbstverständlich ist.

Göttinger fahren am liebsten überall mit dem Fahrrad hin, und wer was für Radfahrer tut, wird von ihnen gewählt. Das führt in der Lokalpolitik des öfteren zu merkwürdigen Aktionen, insbesondere wenn Wahlen in Tateinheit mit abgreifbaren Fördermitteln winken, die Beschaffung von Wahlstimmen also praktisch zum Nulltarif passieren kann.

Exakt diese Situation hatten wir im vergangenen Jahr in Südniedersachsen. Es standen Wahlen an, und zeitgleich förderte der Bund die Elektromobilität. Nun hat Göttingen mit Elektroautos nicht viel am Hut, aber eben mit Radfahrern. Aus dieser unheiligen Konstellation erwuchs der “eCycle Superhighway Göttingen”, auf Deutsch “eRadschnellweg”. Die Idee: Vom Bahnhof bis zum vier Kilometer entfernten Nordcampus der Universität wird eine vier Meter breite Radspur eingerichtet, auf der dann glückliche Studis auf Elektrorädern hin- und hersausen können. Die Elektroräder sind allerdings nicht im Preis inbegriffen. Man könne aber auch mit normalen Rädern auf dem eRadweg fahren, und damit viel schneller und sicherer als bisher durch die Stadt flitzen, teilte die Stadt Göttingen mit und fuhr mit diesem Antrag eine Million Euro Fördergelder ein.

eCycle Superhighway.

eCycle Superhighway.

Allerdings liegt zwischen Bahnhof und Norduni ein Teil der Innenstadt und ein Wohnviertel, und Häuser abreißen wollte man für die Fahrradschnellstraße dann doch nicht. Das Resultat: Der eHighway führt nun zum Teil über alte Radwege, aber auch über Busspuren, Abbiegestreifen, Spielstraßen, im 45 Gradwinkel über eine vielbefahrene Kreuzung und schließlich auf einer stattlichen Länge von zwei Kilometern über die Gegenfahrbahn des motorisierten Straßenverkehrs.

Für einen “eCycle Superhighway” gibt es in der StVO keine Regelungen zur Kennzeichnung, und so nahm sich Göttingen einige künstlerische Freiheiten heraus. Man erfand ein neues Schild (s.o.), und ging ansonsten recht offensiv mit blauer Farbe ans Werk. Mal wurden Bordsteine blau angmalt, mal blaue Linien an die Wegräder gezogen, mal ganze Flächen und Wege mit blau überzogen. Für eine Million Euro bekommt man VIEL blaue Farbe.

Für eine Million Euro lässt sich VIEL blaue Farbe kaufen.

Für eine Million Euro lässt sich VIEL blaue Farbe kaufen.

Etwas befremdet reagierten Anwohner einer Wohnstraße, als sie eines Morgens Bautrupps vorfanden, die ihre Straße blau anmalten. Das sei jetzt eine Fahrradstraße, erklärte man ihnen, und im übrigen sei ab jetzt hier Durchfahrt für Autos verboten. Das sorgte für einigen Unmut unter Anwohnern der Schlumpfstraße und den ansässigen Supermärkten, die sich prompt danach erkundigten, wer die Kosten für die Warenanlieferung per Fahrradkurier übernehmen würde. Die Fahrradstraßenregelung sollte nicht ausgesetzt werden, aber zusätzlich wurden auch Autos und Motorräder erlaubt. Damit wäre das wieder eine normale Straße, nur blauer.

Fahrradstraße!! Aber, äh, auch für Motorräder und Autos.

Fahrradstraße!! Aber, äh, auch für Motorräder und Autos.

Die uneinheitliche Kennzeichnung macht seitdem einige Schwierigkeiten, weil unklar ist, wer eigentlich was darf und wer wo Vorfahrt hat. Insbesondere der verschwenderische Umgang mit blauer Farbe bei Fahrbahnquerungen irritiert. Hier wähnen sich Fahrradfahrer immer wieder als vorfahrtsberechtigt und steuern nach Kamikazeart in den Gegenverkehr, was schon zu mehr als einem Unfall geführt hat.

Eigentlich eine normale Straße, aber ketzt mit blauen Rändern und ECycle-Superhighway-Schild. Wer darf hier was?

Eigentlich eine normale Straße, aber jetzt mit blauen Rändern und ECycle-Superhighway-Schild. Wer darf hier was?

Für mehr Sicherheit hat der eCycle Superhighway also noch nicht gesorgt, aber das hat in Göttingen Tradition. Vor einigen Jahren, zufällig zur Wahlkampfzeit, stellten besorgte Lokalpolitiker fest, dass einer der Göttinger Kreisel die Durchfahrt mit Tempo fünzig erlaubte und unmittelbar nach dem Kreiselausgang von Radwegen gequert wurde.

Der Kreisel war statistisch nicht als Unfallschwerpunkt in Erscheinung getreten, aber dennoch wurden über Nacht kniehohe Betonkübel, die in den 60er Jahren als Blumenbeete in der Fußgängerzone gedient hatten, kreuz und quer auf der Fahrbahn platziert, um so die Autofahrer zu niedrigeren Geschwindigkeiten zu zwingen. Als am nächsten Morgen Dutzende Unfallberichte eintrudelten, weil Autos gegen die nur kniehohen und kaum sichtbaren Hindernisse gerast waren, schwante den Verantwortlichen, dass ein irgendwie gearteter Hinweis auf die geänderte Fahrbahnführung und evtl. Reflektoren an den Betonkübeln doch eine gute Idee gewesen wäre.

Reflektoren wurden zwar mittlerweile nachgerüstet, aber der Kreisel ist jetzt dennoch ein Unfallschwerpunkt: Die Slalomfahrt durch den Hindernisparcours im Kreisel erfordert volle Aufmerksamkeit, und so achten die Autofahrer nicht mehr auf die querenden Radwege, weswegen es immer wieder zu Kollisionen zwischen Autos und Fahrrädern kommt. Vielleicht sollte man irgendwas blau anmalen, das hilft bestimmt.

Ein Puddingtraum

Der nächste Gastbeitrag hier unter meinen paar einleitenden Worten ist von der Lieblingscorina und ich freue mich irre, dass sie extra an ihrem freien Tag in der Küche stand, um Kürbispudding für mein Blog zu machen. Noch toller wäre ja nur gewesen, wenn sie dicht genug wohnen würde, damit ich live hätte probieren können. :D Aber so weiss ich schon sicher, was ich in der heimischen Küche ausprobieren muss, wenn ich wieder zurück bin und wer weiss, vielleicht war ja sogar jemand von euch schon schneller, nein? :)

Corina bloggt hier und hier kann man ihr auf Twitter folgen.

Katja

(Was es mit den Gastbeiträgen auf sich hat, kann man hier nachlesen. Der Text unterhalb der Sternchen und die Bilder gehören nur Corina, die mich beides freundlicherweise hier veröffentlichen lässt. Dankeschön Schnubbi!)

**********

Da haut Katja also einfach so in die Sonne ab und lässt uns hier mit dem Herbst ganz alleine… Dabei hält der doch so viele tolle Sachen bereit! Herbstsonne… oder Kürbisse zum Beispiel. Und aus letzteren lässt sich mitunter ja auch was richtig leckeres zaubern. Zum Beispiel Kürbispudding! Zum Reinsetzen oder -legen oder auch einfach Wegschlemmen. Den richtigen Kick gibt’s aber erst mit Ahornsirup. Boaaaaaaah!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Der Einkaufszettel (für eine Kastenform oder ca. 10 kleine Auflaufförmchen)
300 g Kürbisfleisch
125 ml Sahne
125 ml Milch
150 g Zucker
3 Eier
100 g Mehl
1 Prise Salz
Butter / Öl für die Form
A H O R N S I R U P
wenn man mag: was gehacktes Nussiges zum Drüberstreuen
Die Zubereitung:
1) Das Kürbisfleisch von Kernen und Innenfasern befreien (ich hatte einen Hokkaido und habe die Schale mit verarbeitet) und kleinschnibbeln. Die Stückchen in einem Dampfkochtopf gar kochen. In Ermangelung eines solchen habe ich das ganze wasserbadmäßig in ca. 30 Minuten erledigt. Wenn das Kürbisfleisch einigermaßen weich ist, fröhlich pürieren.2) An dieser Stelle kann der Backofen schon mal auf die erforderlichen 180 °C vorgeheizt werden.

Kürbispüree, Sahne, Milch, Zucker & Eier verrühren und Mehl & Salz hinzufügen. Fleißig weiterrühren. Das Rezept sprach eigentlich von einer geschmeidigen Creme. Die habe ich aber beim besten Willen nicht hinbekommen. Ich hatte noch mal nachgemehlt, so dass ich dann auf die ca. 100 g kam (lt. Rezept sollten das 75 g sein)… aber es blieb eine viel zu flüssige Flüssigkeit. Vielleicht hilft ja Sahne und Eier vorher noch mal separat zu schlagen…?

3) Die Masse in eine gefettete Kastenform (oder die kleinen Auflaufförmchen) geben und im Ofen ca. 30-40 Minuten backen. Anschließend den Kürbispudding aus der Kastenform stürzen und abkühlen lassen.

4) Ahornsirup (und ggf. nussige Beilagen) über die Kürbispuddingportionen treufeln und vor Schlemmvergnügen hachzen.

Urlaubsvertretung Prof. Dr. Dr. Carter #3

Müsste es eigentlich Urlaubsvertretungvertretung heissen, weil Prof. Dr. Dr. Cat. Kai Carter, Rabea Rabenhaus puschliger Mitbewohner, ja nicht nur mich hier auf dem Blog vertritt, sondern auch Rabea, die keine Zeit hat, selber vorbeizuschauen? Man weiss so wenig…

Ich freue mich auf jeden Fall sehr über die Vertretung. Noch dazu, wenn sie so puschlige Bären dabei hat, denn wie ihr sicher alle wisst: Puschligkeit pusht! :)

Hier geht es zu Rabeas Blog.

Katja

(Was es mit den Gastartikeln auf sich hat, könnt ihr hier nachlesen. Alle Rechte an Text und Bild(ern) liegen natürlich ausschließlich bei Rabea und Prof. Dr. Dr. Carter, die sie mich hier freundlicherweise veröffentlichen lassen.)

**********

Tach,

ich bin´s wieder, Prof. Dr. Carter. Sie werden es sich sicher denken können: Frau Rabenhaus schickt mich, da sie mal wieder keine Zeit hat, hier bei Katja vorbeizuschauen. Ich weiß ja auch nicht, was Frau Rabenhaus den lieben langen Tag so macht, dass sie es nicht selbst schafft. Aber gut, ich will mal nicht so sein. Frau Rabenhaus hat mir auch was Puscheliges mitgegeben. Sie meint, Katja mag ganz doll puscheliges… hm, vielleicht mag sie mich ja deswegen auch, weil ich soooo puschelig kuschelig bin. Die drei Puscheldinger, die mir Frau Rabenhaus mitgegeben hat, sind schon fast so alt wie sie selber, sagt sie. Die hat sie schon so lange wie sie denken kann. Und wenn Frau Rabenhaus das sagt, dann wird das wohl auch stimmen, schließlich muss sie das ja am besten wissen. Ich darf jedenfalls nicht mit denen spielen, was ich dann doch irgendwie doof finde. Aber gut, ich hab ja mein Mäuschen und das gehört ganz alleine mir. Das ist zwar nicht mehr ganz so puschelig, aber ich mag es trotzdem ganz arg, so arg, wie Katja puschelige Kuscheldinger mag. Hatte ich eigentlich schon Hallo gesagt? Nein? Oh, Entschuldigung. “Hallo!” Frau Rabenhaus sagt, ich soll nett Hallo sagen – das habe ich ja nun getan und die Puscheldinger stell ich mal hier unten hin, vielleicht freut sich Katja ja, wenn sie nach Hause kommt und von den Dreien freudig empfangen wird. So eine Reise ist ja auch anstrengend, da freut man sich vielleicht, wenn da was Puscheliges ist, wenn man wieder Daheim ist… also, ich geh dann mal wieder…

Teddyliebe

Anflug von Meeressehnsucht

Jule überlegte bei meiner Sdfmsid-Aktion mitzumachen, wusste aber nicht so recht über was sie schreiben sollte und so wünschte ich mir einen Text über’s Meer von ihr. Hier könnt ihr das Ergebnis lesen. Vielleicht spürt ja der eine oder die andere beim Lesen auch den virtuellen Sand zwischen den Zehen. Vielen Dank für den Beitrag, Jule!

Jules Blog findet ihr hier.

Katja

(Was es mit den Gastartikeln auf sich hat, könnt ihr hier nachlesen. Die Rechte an untenstehendem Text liegen natürlich alleine bei Jule.)

**********

katja möchte ihre zeit am meer genießen und bestimmt wird sie auch wieder wuuuuuunderwunderschöne traumhafte bilder von wellen mitbringen.

damit sie ihren urlaub ohne schreiberei genießen (und auch ein paar schöne photos machen) kann, hat sie darum gebeten, ihr mit einem gastartikeln zu helfen.

und weil ich mir katja gut am meer vorstellen kann, dürft ihr heute von mir etwas meeriges lesen.

kennt ihr das buch “alle sieben wellen” von daniel glattauer?

darin beschreibt herr glattauer in einem bezaubernden briefroman die wachsende liebe zweier email-schreiber.

und während der männliche hauptakteur zuhause sitzt, bekommt er von der hauptakteurin eine mail aus dem – na, ahnt ihr es? – urlaub am meer.

“Warum ich Dir schreibe? Weil mir danach ist. Und weil ich nicht wortlos auf die siebente Welle warten will. Ja, hier erzählt man die Geschichte von der unbeugsamen siebenten Welle. Die ersten sechs sind berechenbar und ausgewogen. Sie bedingen einander, bauen aufeinander auf, bringen keine Überraschungen. Sie halten die Kontinuität. Sechs Anläufe, so unterschiedlich sie aus der Ferne betrachtet auch wirken, sechs Anläufe – und immer das gleiche Ziel.

Aber Achtung vor der siebenten Welle! Sie ist unberechenbar. Lange Zeit ist sie unauffällig, spielt im monotonen Ablauf mit, passt sich an ihre Vorgängerinnen an. Aber manchmal bricht sie aus. Immer nur sie, immer nur die siebente Welle. Denn Sie ist unbekümmert, arglos, rebellisch, wischt über alles hinweg, formt alles neu. Für sie gibt es kein Vorher, nur ein Jetzt. Und danach ist alles anders. Ob besser oder schlechter? Das können nur jene beurteilen, die von ihr erfasst worden sind, die den Mut gehabt haben, sich ihr zu stellen, sich in ihren Bann ziehen zu lassen.

Nun sitze ich seit gut einer Stunde hier, zähle die Wellen ab und beobachte, was jeweils die siebenten treiben. Noch ist keine von ihnen ausgebrochen. Aber ich bin im Urlaub, ich bin geduldig, ich kann warten. Ich gebe die Hoffnung nicht auf! Hier über der Westküste bläst starker Südwind.”

- Daniel Glattauer.

die geschichte von leo und emmi ist eine ganz bezaubernde, die ich jedem nur ans herz legen kann, aber noch mehr reizt mich die geschichte der siebten welle.
während ich mich in gedanken ans brodelnde, schäumende meer setze und die nakten zehen im sand vergrabe, frage ich mich, ob die siebte welle wirklich so anders ist.
natürlich gibt es darüber auch ganz nüchterne betrachtungen, aber im herzen bin ich gern bereit, mich auf die suche der strände dieser welt zu machen und den wellen bei ihrem treiben zuzusehen.

ist es nicht für fast alle von uns etwas ganz erdendes, wenn wir uns einen platz am strand suchen können und einfach nur aufs grenzenlose meer schauen? werdet ihr nicht auch ganz ruhig, wenn der wind euch eure gedanken aus dem kopf pustet und das rauschen der heran nahenden wellen jedes innere selbstgespräch übertönt?
immer wieder versucht die eine oder andere welle, näher an den strand zu reichen als die vorherige.
sollte das dann eine der berüchtigten siebten wellen sein? eine derer, die es schafft, mutigen mit-schuhen-am-meer-entlang-gehern-aber-bloß-die-schuhe-nicht-nass-bekommend doch etwas wasser um die zehen zu spülen oder sie in höhere gefilde zu vertreiben? vielleicht versuchen die siebten wellen ja auch nur, den vorwitzigen oder unaufmerksamen ein wenig demut mitzugeben.
irgendwie achtet man ja doch eher auf seinen feuchten strandweg, wenn man die füße um haaresbreite doch nass bekommen hätte, obwohl man das eher nicht so wollte.. vielleicht sollten wir nicht so monoton im alltag herum laufen, sondern auch mal rebellieren? auch mal etwas neu machen..?

die siebte welle soll die macht haben, dinge umzuwerfen. sie soll verändern können.

mich begeistert sie. ebenso wie ihre sechs schwestern.
es erfreut mich, wie sie spielen und sand an den strand spült, den sie ja doch eigentlich viel lieber wieder mit zurück nehmen. sie bringen muscheln und kleine steine und lassen uns kurz einen blick auf ihren glitzernden schatz werfen. für den fehlt mir im alltagsstress und gedankenchaos oft der blick. und auch die zeit nehme ich mir eigentlich viel zu selten.
dabei strahlen doch alle wellen so vor lebensfreude, nicht nur die siebte. die eine kommt etwas beherrschter daher, besonnen und würdevoll nur um dann ihrer heran nahenden schwester zu zeigen, dass sie sehr wohl vor ihr am strand sein kann. sie lassen sie von hunden und kindern jagen, genießen die sonne oder begeistern uns schäumend.

sie können uns beruhigen, uns ablenken und ja, ich glaube, wellen haben durchaus die macht, uns zu verändern.
ich würde es nur so gern öfter im hinterkopf haben, wie bezaubernd sie sind. wie erdend wie auf mich wirken können und wie belanglos manche meiner gedankengänge sein können..

genießt den moment, freut euch auf die sieben wellen die euch begeistern wollen, lacht mit ihnen und lasst euch vom alltag ein wenig ablenken.

ich hoffe, dass katja am meer sitzt mit den füßen im sand und der nase im wind. und vielleicht gibt es ja ein photo von einer ganz wunderbaren ersten, zweiten oder vierten welle, dass uns hier fernweh macht.

..und uns ein wenig verändert..
= )

schöne meeressehnsucht wünsche ich euch
jule

Diplomschüler

Im Nachfolgenden lest ihr einen Gastbeitrag von ickemich. Er bat mich um eine Themenvorgabe und ich wünschte mir einen ‘Schwank’ bzw. eine Erinnerung aus seiner Kindheit oder Jugend. Ich freue mich sehr über die Erinnerungen – vielen Dank ickemich! :)
Das Datum der Veröffentlichung ist übrigens kein ganz zufälliges, genau heute vor 25 Jahren war nämlich die erste Demo in besagtem Ort ganz oben, weit rechts.

ickemichs Blog findet ihr hier und hier geht es zu seinem Twitteraccount.

Viel Spaß beim Lesen! (Was es mit den Gastartikeln auf sich hat, könnt ihr hier nachlesen. Die Rechte an Text und Bildern liegen selbstverständlich bei ickemich, der sie mich freundlicherweise hier veröffentlichen lässt.)

Katja

**********

IMG_1133Ich darf mich hier nun also auch digital verewigen. Der Bitte nachkommen, während der Abwesenheit von Katja, hier etwas beizutragen. Dabei kann ich sogar noch, so wie „aufgetragen“, einen Schwank aus meiner Jugend präsentieren. Allerdings ohne aufzutragen.Vielen Dank dafür, dass ich das darf.

Vielleicht passt sie sogar ein wenig in diese Jahreszeit. Meine DDR- Jugend. Heute, so kurz vor dem 25. Jahrestag des Mauerfalls.
Wer allerdings von mir nun die totale Ostalgie erwartet, der darf jetzt gerne weiterklickern, denn es folgen lediglich ein paar meiner Erinnerungen. Mit dem Abstand von heute.
Nichts weiter.

Als Kind der Deutschen Demokratischen Republik gibt es sicherlich eine Vielzahl an Schwänken zu erinnern. Aus meiner Kindheit, aus meiner Jugend. Das beginnt ja schon damit, dass hinter dem antifaschistischen Schutzwall, von Ostfriesland aus betrachtet, die sozialistische Staatsbahn noch ‘Deutsche Reichsbahn’ genannt wurde. “Reichsbahnlokführer” kann man sich nicht ausdenken. Witzig nicht? Ja, nicht!

 

Witzig fand ich damals eher schon, dass der Farbfernseher meiner Eltern, in etwa vier Nettomonatslöhne meines Vaters kostete. Meine Eltern fanden das damals sicher nicht so witzig. Ich könnte auch darüber berichten, dass für den acht Jahre alten Trabbi durch meinen Vater nur noch gut das Doppelte vom Neupreis hingeblättert wurde.
So kaufte man sich damals eben Zeit. Wartezeit.

Etwas wahnwitziger war es da schon, dass der Kilopreis vom Saisongemüse im örtlichen Konsum bisweilen deutlich unter dem garantierten staatlichen Aufkaufpreis für das gleiche Gemüse in der Ankaufstelle zwei Straßen weiter lag.
Man holte sich die Kohle also schon irgendwie wieder.
Auch munkelte man bisweilen, dass das subventionierte Brot deutlich günstiger war, als das weniger subventionierte Futtergetreide. Was einige Bauern wohl dazu animierte …
ihr könnt es euch ja sicher denken.
Ja, Schwänke und Anekdoten gibt und gab es viele. Sicherlich.
Es war ja sehr für uns gesorgt, für uns DDR-Bürger. Für mich, für meine Eltern und meine Großeltern. Später auch für meine Schwester.
Kinderkrippe, Kindergarten, Schule, Lehre, Armee, Studium, Arbeiten, Rente, Tod. Alles da. Alles vorgezeichnet. Wenn man denn etwas mitspielte, im real existierenden Sozialismus. Sicherlich.
IMG_1134Mit der Schule war ich im Sommer 1988 fertig. Also mit der Polytechnischen Oberschule. Mit Diplom sogar. 10 Jahre recht breites Allgemeinwissen erlernt, 10 Jahre Naturwissenschaften und Sprachen gebüffelt, etwas Kunsterziehung genossen – 10 Jahre Ideologie auch abseits vom Schulhof, 10 Jahre Kindheit, bzw. nach der Jugendweihe, auch Jugend. Pubertät hatte ich damals dann auch noch irgendwie. Die gab es ja selbst in der DDR, und sie war auch da gratis.
Für das Abitur hatte ich mir, etwas abseits der Norm, eine sogenannte “Berufsausbildung mit Abitur” ausgesucht. Ja, man konnte sich sogar einige Dinge aussuchen. Zumindest als Diplomschüler. Maschinist wäre dann also der Beruf gewesen, falls es mit dem Studium nicht so hingehauen hätte. Im Kernkraftwerk. Heute nennt man die Dinger Atomkraftwerk, das Grundprinzip ist aber dasselbe. Berufsschule und Erweiterte Oberschule (Gymnasien hatten wir ja nicht) in einem Aufwasch. Drei Jahre, statt zweimal zwei. Das rechnete sich recht leicht. Nach dem Studium der Kernenergie dann irgendwann schichtleitender Diplomingenieur auf einer der Blockwarten. Knöpfchen drücken und hoffen, dass es gut geht. Zwischendurch noch die obligatorischen drei Jahre bei der Nationalen Volksarmee, um überhaupt an den Studienplatz zu kommen. Vom Diplomschüler zum Diplomingenieur?Check!
In meiner altmärkischen Heimat war das regionale Kraftwerk damals allerdings noch kernig in Bau. Seit Jahren schon. Wurde auch nicht wirklich fertig. Irgendwas war halt immer. Somit fand meine Lehre und das zeitgleiche Abiturbüffeln in Greifswald statt. Greifswald? Ja, Greifwald. Finger auf die Deutschlandkarte, hoch, ganz hoch, weit rechts. Über Dänemark noch drüber rechts. Insel Rügen! Wieder ein wenig runter, noch einen ganz kleinen Tick nach rechts. Da! Greifswald.
Wöchentliches Pendeln war also angesagt, mit der bereits angesprochenen Reichsbahn der Demokratischen Republik. Halbquer durch das Land über ca. 341,7 km. Am Wochenende daheim. In der Woche im betriebseigenen Internat. Pardon, im betriebseigenen Lehrlingswohnheim.
Drei-Mann-Bude, Dusche und Klo über den Flur. Sozialistisch betreutes Wohnen, und trotzdem eine neue Freiheit für mich. Mit sechzehn Jahren? Klar!
Daheim in der Altmark gab es noch meine zukünftige Ex-Frau. Also wurde am Sonntag gerne der letzte Zug genommen. Über Berlin, Hauptstadt der DDR. Dort fuhr dann der sogenannte Malmö-Express nach, genau nach Rügen und dann noch etwas weiter. Der Zug war immer recht zuverlässig, da er ja eine Fähre zu erreichen hatte. Die Fähre nach, ihr ahnt es bereits, Trelleborg/Schweden, jenseits des antifaschistischen Ostseewellenwalls. Und dann eben nach Malmö, logisch.
Das Expresszugding hatte einen Halt in Greifswald. Davor noch einen, aber das ist nicht so wichtig. Wichtig war vielmehr, dass man da einfach so mitfahren durfte und meist pünktlich gegen zwei Uhr morgens am Montag wieder im Lehrlingswohnheim war. In Greifswald. Und man traf sich am Berliner Bahnsteig bereits mit dem Berliner, dem Magdeburger und dem Dresdner aus dem Lehrjahr. Das war so weit ganz gut.
Auch nicht schlecht war es, wenn man an den Stadtgrenzen von Berlin bereits eingepennt war. Wochenenden mit der zukünftigen Ex-Frau konnten auch damals schon schlauchen. Etwas schlechter war es dann schon, wenn dies das ganze Abteil betraf.
Das Einpennen, nicht das Schlauchen.
So richtig blöd wurde es dann einmal, als kurz hinter dem Rügendamm die Transportpolizei, unterstützt vom Zoll und den Grenztruppen der DDR, nach den Pässen fragte. Diesen Heftchen mit dem Staatswappen außen und dem Visum innen, die wir natürlich nicht hatten. Dafür hatten wir Personalausweise und Fahrkarten bis Greifswald. Und ein Problem. Das war nämlich nicht mehr nur blöd oder peinlich, sondern auch gefährlich. Also, wir waren jetzt gefährlich.
Gegen sieben Uhr zurück in Greifswald, wurden wir vier dann nämlich bereits erwartet. Am Bahnsteig. Von Herren in auffällig unauffälliger Zivilbekleidung. Denen war es wahrscheinlich zu früh gewesen, um uns ganz aus Binz abzuholen, mitten in der Nacht. Gefährlich hin oder her. Unsere Personalien waren ja sowieso längst aufgenommen.
Und dann hatte man auf einmal schulfrei, weil man wurde ja befragt. Einzeln.

Wie man denn so zum Sozialismus stehe? Ob es denn Spaß macht, mit der Lehre und dem Abi? Ob man gerne Rockmusik hört? Warum man aus der Deutschen Demokratischen Republik flüchten wollte? Wie das Wochenende so war? Ob man denn gerne in den Jugendknast wolle? Wie es der Uroma in Niedersachsen denn so geht?

Diese letzte Anekdote war keine. Sondern damals bitterer Ernst für uns, mit gerade siebzehn Jahren. Wir durften dann irgendwann gehen und wieder zur Berufsschule. Waren wohl doch nicht so gefährlich. Gefährlich eingepennt? Vielleicht wurden wir nun auch verstärkt beobachtet. Ich will gar nicht wissen, von wem alles. IMG_1136
Einer blieb aber ab nun immer wach. Abwechselnd, im Malmö-Express am Sonntag.

Ein gutes halbes Jahr später wurde diese Geschichte dann doch noch zur Anekdote. Zu einer Anekdote der Geschichte.
Heute kann ich über all das nur noch den Kopf schütteln. Ganz leicht.
Und ihr dürft das nun auch. Bloß gut!

Nach meinem Facharbeiterabschluss bei der IHK Mecklenburg-Vorpommern und meinem Fachabitur habe ich übrigens nie wieder in einem Kern- oder Atomkraftwerk gearbeitet. Schon gar nicht als Maschinist.
Ich weiß auch sehr genau, warum. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.